austrian soundcheck 2011

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WWW.SPIELSTAETTEN.AT AUSTRIAN SOUNDCHECK IN ZUSAMMENARBEIT MIT JAZZ-FESTIVAL Fremd sein Programmh eft

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Der Austrian Soundcheck, von 16. - 21. November 2011, stand unter dem Thema "Fremd sein".

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Page 1: Austrian Soundcheck 2011

www.spielstaetten.at

AUSTRIAN SOUNDCHECK

in zusammenarbeit mit

JAZZ-FESTIVAL Fremd sein

Programmheft

Page 2: Austrian Soundcheck 2011

S2 VorwortS2 Vorwort

KontaKt: 0316 / 8008 – 9000 | www.spielstaetten.at | [email protected]

Fremd sein: Der Austrian Soundcheck geht neue Wege.

„Fremd sein“, das thema des austrian Soundchecks in diesem Jahr, will auf-merksamkeit auf die wahrnehmung von Kulturen lenken – positiv besetzt, entgegen allen negativen Kampagnen von politischen Gruppierungen, auch im Sinne eines europäischen Selbstbewusstseins und der Chance auf eine vielfältige Gesellschaft.

Dem Fremden treten viele Menschen mit Unbehagen oder Ablehnung entgegen. Dabei kennt jeder das Gefühl des Fremdseins und hat dies in unterschiedlichen Momenten seines Lebens erlebt; sei es in einer ungewohnten Umgebung oder einfach in einem fremden Land. In den meisten Fällen ist es eine Barriere im Kopf, die uns davon abhält, uns auf das Fremde einzulassen und das Neue ken-nen zu lernen. Dabei können Begegnungen mit dem „Fremden“ eine unglaublich bereichernde Erfahrung darstellen.

http://grazerspielstaetten.wordpress.com/

Wir möchten Sie an dieser Stelle auf unseren speziell eingerichteten Blog hin-weisen: http://grazerspielstaetten.wordpress.com/ beinhaltet Stellungnahmen von Gastautoren, die weitläufige Erfahrungen in den Bereichen Integration, Migration, Politik, Kultur oder soziale Kompetenz einbringen. Der Blog wird laufend aktualisiert und bietet auch über den Austrian Soundcheck hinaus Aus-gangspunkte für einen inhaltlichen Diskurs.

KünstlerInnen im Zentrum

Die Konzerte des Austrian Soundchecks rücken KünstlerInnen und Künstler ins Zentrum, die in Österreich eine zweite Heimat gefunden haben, aber auch Men-schen, die in Österreich eine ideale Plattform für ihre kreativen Projekte vorfin-den und im Austausch mit österreichischen MusikerInnen neue Sichtweisen auf interkulturelle Projekte möglich machen. Mit Nataša Mirkovic De-Ro und der Jazzwerkstatt Graz gelingt es uns erneut, diese wunderbare bosnische Sän-gerin und junge MusikerInnen der Grazer Szene zusammenzubringen, die sich mit ihren Projekten immer wieder neu ins Gedächtnis der Kulturpolitik rufen: Eine gedeihliche künstlerische Arbeit kann nur über eine solide Finanzierung fortbestehen.

Knotenpunkte der Kooperation

Der Verein gamsbART, der der freien Szene zugeordnet wird, und die Grazer Spielstätten – als Tochtergesellschaft der Theaterholding Graz/Steiermark ein so genannter großer „Kulturtanker“ – reagieren auch 2011 gemeinsam auf die angespannte Finanzlage der öffentlichen Hand: durch die Weiterführung einer Kooperation, die funktioniert, die beispielgebend ist und dem kulturellen Klas-senkampf zwischen freier Szene und großen „Tankern“ schon im Ansatz wider-spricht. Im Gegenteil: Beide Institutionen lernen voneinander und gehen aufei-nander zu. Schlussendlich stellt auch dieses Projekt einen Mehrwert für unser Publikum dar und zeigt einen Weg auf, wie „Fremdes“ überwunden werden kann und somit Schranken geöffnet werden.

wir laden Sie ein, Barrieren des „Fremdseins“ zu verkleinern und offen auf neues zuzugehen – sei es im Dienste einer funktionierenden, sich respek-tierenden Gesellschaft oder eben im Diskurs über die Konzerte des austrian Soundchecks 2011.

Christoph thomaIntendant der Grazer Spielstätten

Der Austrian Soundcheck wird ermöglicht von:

Christoph Thoma

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S3S3

Seit 20 Jahren gibt es nunmehr den Austrian Soundcheck. Sogar über den At-lantik hat es dieses Festival geschafft, zum Beispiel in die New Yorker Knitting Factory. Ein offenes Ohr wollten wir haben und eine Plattform bieten für Neues und bisher Ungehörtes. Dies scheint wohl gelungen zu sein. In den ersten Jah-ren waren es vor allem die Experimente mit Electronic und Computer, die wir präsentieren konnten. Des Weiteren war es uns Ehre und immer auch Verpflich-tung, österreichischen Musikerinnen und Musikern Andockstation zu sein auf ihrem oftmals unsicheren Weg abseits des Mainstream.

Das einzig Sichere ist die Veränderung, und tatsächlich haben sich viele der Rahmenbedingungen in unserer Gesellschaft und für Kunst & Künstler ge-wandelt. Das Europa ohne Grenzen ist zwar niedergeschrieben, teilweise aber immer noch Vision. Die mobile Welt ist ebenso Herausforderung wie der allzu sorglose Umgang mit den elektronischen Medien. Immer wieder schleichen sich auch Geister und Geisteshaltungen ein aus scheinbar längst vergangenen Tagen: Ängste werden geschürt und mancher Gast in unserem Land wird wie-der zum Fremden gemacht! Diese einschränkenden Tendenzen sind im Wider-spruch zu einem offenen Dialog der Kulturen. Unser Jahresthema 2011 lautet „Fremd sein“ und bietet genügend Platz für Re-flexionen. Der 20. Austrian Soundcheck widmet sich den Brückenbauern un-ter den österreichischen Musikern. Dies ist verbunden mit der Hoffnung, dass Kunst und Kultur wieder vermehrt Dialogfelder bieten gegen den Rückzug in Elfenbeintürme und für ein aktives Miteinander in einem freien Europa.

Gerhard Kosel gamsbART

Vorwort

Gerhard Kosel

AUSTRIAN SOUNDCHECK Programm

Elliott Sharp & Studio Dan

Jazzwerkstatt Graz: Sarajevo calling

Mo, 14. noVeMBer 2011, 20:00 Uhr S8

Stefan Heckel & Queen ZenobiaDobrek Bistro

DI, 15. noVeMBer 2011 , 19:30 Uhr S9

ExTRA

Raphael Meinhart TrioRadio String Quartet: Zawinul ReportThe TallTones

So, 20. noVeMBer 2011, 20:00 Uhr S11 ExTRA

DI, 18. noVeMBer 2011, 19:30 Uhr S10

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S4

ebastian Kurz wurde am 21. April 2011 zum neuen Staatssekretär für Integration bestellt. Für Staatssekretär Kurz beginnt Integrations-

politik dann, wenn sich jemand legal in Österreich aufhält und mittel- oder langfristig hier bleiben will. Damit ist seine Aufgabe klar von den Bereichen Asyl und Zuwanderung innerhalb der Agenden des Bun-desministeriums für Inneres abgegrenzt.

Sehr geehrte herr Staatssekretär, was sind neben dem Beherrschen der Sprache und dem erbringen einer Leistung für Sie die Voraussetzungen einer funktionierenden Integration? Integration ist ein wechselseitiger Prozess, der von gegenseitiger Wertschätzung und Respekt geprägt ist, wobei klare Regeln den gesellschaftlichen Zu-sammenhalt und den sozialen Frieden sichern. Dieser Prozess braucht sowohl Anstrengungen der zugewanderten als auch der aufnehmenden Bevölkerung – dabei müssen Sorgen und Ängste der Mehrheitsbevölkerung ebenso berücksichtigt werden wie die Bedürfnisse und Anliegen der Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Besonders wichtig ist mir aber auch die Akzeptanz unserer demokratischen Werte und Rechtsordnung.

Positive Beurteilung des aufnahmelandes in Be-zug auf Bildungs- und aufstiegschancen, Sozial-leistungen, intakte Umwelt, Sicherheitsstandards und Demokratie sowie arbeitsmöglichkeiten seien positive Merkmale für Österreich als Migrations-land, heißt es in einer zwischen 2008 und 2009 durchgeführten Integrationsstudie des Innen-ministeriums. wie sehen die erfahrungen seit damals aus? was hat sich in den letzten zwei bis drei Jahren verändert? Österreich ist die erfolgreiche Integration von Mig-rantinnen und Migranten zum Wohle der gesamten

Nachgefragt: Eine erfolgreiche Integration sichert sozialen Frieden und Wohlstand.

InterVIew

Intendant Christoph Thoma im Gespräch mit Sebastian Kurz, Staatssekretär für Integration

S

Sebastian Kurz, geboren 1986 in Wien

seit April 2011 Staatssekretär für Integration

Dezember 2010 – April 2011 Bereichssprecher für Jugend, Sport und Soziales der ÖVP Wien

November 2010 – April 2011 Landtagsabgeordneter und Gemeinderat in Wien

seit Juni 2009 Bundesobmann der Jungen ÖVP

seit März 2008 Landesobmann der Jungen ÖVP Wien

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S5Gesellschaft ein zentrales Anliegen. Aufbauend auf den geleisteten Vorarbeiten und in Zusammen- arbeit mit allen beteiligten Ressorts, den Ländern und Gemeinden und anderen zuständigen Institutionen wurde der Nationale Aktionsplan für Integration er-arbeitet, der die österreichweite Zusammenarbeit für erfolgreiche Integrationsmaßnahmen struk- turiert. Diesen Aktionsplan sehe ich als Rahmen für einen nachhaltigen Prozess, in dem gemeinsam auf laufend neue Herausforderungen reagiert wird. Wir können dabei nur gewinnen, denn: Die erfolgreiche Integration von Migrantinnen und Migranten ist ein Schlüsselfaktor für die Festigung des sozialen Friedens und des Wohlstandes. Sprache und Bildung stellen für Sie die Grundvor-aussetzungen für eine funktionierende Integration dar. wie sieht die Umsetzung, vor allem im Bereich des Schulsystems, aber auch für ältere Generati-onen aus? Ich habe in meinem Staatssekretariat außerdem drei Integrationsschwerpunkte fixiert. Es handelt sich dabei um „Deutsch“, „Arbeitsmarkt“ sowie „Kinder und Jugendliche“. In diesem Zusammenhang haben wir im Staatssekretariat für Herbst eine neue Initiative geplant, die Mitte Oktober startet. Gemeinsam mit 100 „Integrationsbotschaftern“ gehen wir in Schulen in ganz Österreich. Die Integrationsbotschafter sind Österreicher mit Migrationshintergrund, die ein er-folgreiches Leben in Österreich aufgebaut haben. An den Schulen halten die Botschafter Vorträge und

sollen mit ihren Erfahrungen und Lebenswegen bei den jungen Menschen Motivation schaffen und Vorurteile abbauen. Ziel dieser Initiative ist es, bei Inländern Vorurteile abzubauen und Jugendlichen mit Migrationshintergrund positive Beispiele zu zeigen. Besonders wichtig ist mir bei der Integration die Förderung der deutschen Sprache. Wenn man beachtet, dass jedes zehnte fünfjährige Kind mit Deutsch als Muttersprache Sprachprobleme hat und diese Defizite bei Kindern mit Migrations- hintergrund sogar bei 60 Prozent liegen, dann wird einem bewusst, dass hier Handlungsbedarf besteht. Deshalb habe ich mich auch aktuell eingesetzt, als die Sprachförderung gestrichen werden sollte. Nach Verhandlungen mit Finanzministerin Maria Fekter sind die fünf Millionen Euro, die bisher pro Jahr für Sprachförderungsprogramme investiert wurden, gesichert. wenn Leistung als neues Kriterium für eine gelun-gene Integration zählt, woran ist diese messbar? Messbar ist sie, wenn Integration funktioniert. Jeder und jede, die im Berufsleben steht, eine Schule besucht oder in einem Verein tätig ist, lebt mitten in der Gesellschaft, leistet seinen Beitrag und ist in Kontakt mit unterschiedlichen Menschen – das Leben in einer Parallelgesellschaft kann so ver-hindert werden. Ziel muss sein, dass alle, die in Österreich leben, eigenverantwortlich und selbst-ständig leben können.

Page 6: Austrian Soundcheck 2011

S6 BLoG

Fremd sein

Wolfgang Schneiderwarum wir kein Migranten-theater brauchen, aber eine Kulturpolitik, die in Personal, Produkti-on und Publikum der dramatischen Künste multi-ethnisch ist.

ehr als ein Fünftel der Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund. Migration al-lerdings findet im Theater nur als Margina-

lie statt. Den Stadttheatern fehlt das Personal, die Ausbildungsstätten haben bei weitem nicht den re-präsentativen Anteil an migrantischem Nachwuchs und das Publikum wird zwar weniger und älter, aber ganz und gar nicht bunter. Jüngste Debatten des deutschsprachigen Theaters kommen Jahrzehnte zu spät, erste strukturelle Maßnahmen in der The-aterpraxis sind längst überfällig, Konsequenzen für die Kulturpolitik wären aber noch zu formulieren.

Integration ist in Zeiten von Globalisierungsprozes-sen eine der großen Herausforderungen gesell-schaftlichen und politischen Handelns. Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft, religiöser Orientierung und kultureller Tradition soll eine gleichberechtigte Teilhabe am alltäglichen Leben gewährt werden. Kulturpolitik kann im Bemühen um Integration eine zentrale Rolle spielen, indem sie zum Verständnis sowie zur Anerkennung kultureller Differenzen beiträgt. Interkultur wird in diesem Zu-sammenhang als Schlüsselbegriff benutzt, um In-tegration mittels kultureller Praxis zu ermöglichen.

Kunst und Kultur sind für einen gelingenden inter-kulturellen Dialog unverzichtbar. Die den Künsten innewohnende Dynamik, ihr Experimentier- und Innovationscharakter, ihr emotionales Potential und nicht zuletzt die Möglichkeit der nonverba-len Kommunikation erleichtern und befördern die Begegnung mit anderen Kulturen und können die wechselseitige Akzeptanz verstärken. Besonders kulturelle Bildungsprozesse vermögen es, unter-schiedliche Wertvorstellungen und Lebensformen zu vermitteln. Kenntnis und Verständnis füreinan-der sind wesentliche Voraussetzungen für ein ge-waltfreies Zusammenleben in der Gesellschaft. Der Weg ist damit vorgeschrieben: von der interkultu-rellen Herausforderung zur Interkulturalität.

Kulturpolitik und Theater auf dem Prüfstand

Was heißt das für die Theaterstätten und Theater-gruppen in Deutschland und Österreich? Was tut sich, was gibt es an Konzepten? Welche multieth-nischen Angebote, welche interkulturelle Kunst-vermittlung prägen die Modelle? In Köln wurde diskutiert, die Diskurse sind in dem Buch „Theater und Migration. Herausforderungen an Theaterpra-xis und Kulturpolitik“ (Transkript Verlag, Bielefeld 2011) dokumentiert. Kulturwissenschaftler und Theaterkünstler haben das Wort, Kulturpolitik und Theaterpraxis stehen auf dem Prüfstand. Die Entwicklung der Theaterlandschaften darf nicht mehr dem Zufall überlassen bleiben, sondern muss aus Verantwortung, öffentliche Mittel nicht nur den klassischen Kulturnutzern zu Gute kommen zu lassen, der gesamten Gesellschaft ein Theater für alle ermöglichen. Wir brauchen keinen Migranten-Stadl, wir brauchen eine umfassende Reform des Theatersystems!

wolfgang SchneiderDirektor des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim

M

Der Blog der Grazer Spielstätten im Rahmen des Festivals »Austrian Soundcheck 2011«

Fremdes entsteht als Konstruktion im Kopf des Betrachters – das empfinden von Fremdheit ist all-gegenwärtig. Im Zuge des 20. austrian Soundchecks widmen sich die Grazer Spielstätten diesem thema: Die teilnehmenden Bands haben allesamt migrantischen hintergrund und vermitteln ihre Geschichten durch die Musik. ein Fotowettbewerb, eine ausstellung sowie eine groß angelegte Social Media-Kampagne erweitern den inhaltlichen Fokus zum thema „Fremd sein“.

Page 7: Austrian Soundcheck 2011

S7

Astrid KuryDie positive Utopie der kulturellen Vielfalt

er Politikwissenschafter Colin Crouch be-merkt treffend, dass sich die Menschen für die unerwünschten Folgen der Globalisie-

rung an den Minderheiten im eigenen Land rä-chen. Er benennt damit klar, dass wir uns mit den nicht umkehrbaren, rasanten Veränderungen un-serer Alltagswelt anfreunden müssen. Die Frage, wer gehört zu unserer Gesellschaft und wer nicht, ist eigenartig. Kulturelle Identitäten sind immer im Wandel, verändern sich im Fluss des Lebens.

Neugierde am kulturellen Austausch

Multikulturalismus als das Nebeneinanderleben verschiedener Kulturen sollte daher nicht mehr das gesellschaftspolitische Ziel sein. Denn es würde heißen, dass alle Menschen auf ihre ethni-sche und kulturelle Herkunft verpflichtet werden, um die jeweilige Kulturtradition zu bewahren – die türkische ebenso wie die österreichische zum Beispiel. Was im Gegenzug die Attraktivität der Metropolen New York, London oder Berlin aus-macht, ist, dass im Zusammenleben verschiede-ner Kulturen ein Prozess der Kreolisierung und Vermischung von kulturellen Elementen stattfin-det, der die Grenzen des Denkens erweitert.

Neugierde an kulturellem Austausch und Respekt vor der Differenz sind die wesentlichen Tugenden, die die Akademie Graz mit ihren Programmen zum Ausdruck bringen möchte. Neben dem zwei-jährlichen Festival ROMALE! ist das aktuell zum Beispiel die Ausstellung „Sprachenlandschaft Graz – eine Stadt spricht 150 Sprachen“, die seit 26.09.2011 im Stadtmuseum Graz zu sehen ist. Wie Peter Weibel zu dieser Ausstellung sagt, gilt es nun den neuen Turm zu Babel zu bauen und die positive Utopie der kulturellen Vielfalt und Mehrsprachigkeit Wirklichkeit werden zu lassen, anstelle der negativen Utopie der Monokultur – „denn Vielfalt ist ein revolutionärer Vorteil und wird nicht bestraft, wie die Babel-Legende be-hauptet, sondern belohnt. Die Erde ist das Haus der Vielen und der Vielfalt.“

astrid Kury Präsidentin der Akademie Graz

Bettina VollathDas Gefühl, dazuzugehören, bedingt Vertrauen.

remd sein steht am Anfang jeder Entwick-lung, die wir Integration nennen. Integriert sein heißt, sich zugehörig zu fühlen. Sei’s in

der Gesellschaft, in einem Verein, in einer neuen Clique oder in der Familie. Das Gefühl, dazuzuge-hören, bedingt Vertrauen auf beiden Seiten.In unserem Leben haben wir alle immer wieder In-tegrationserlebnisse. Ich hatte auch als Politike-rin ein solches: Da ich als Quereinsteigerin in die Landesregierung geholt wurde, habe ich natürlich kaum jemanden gekannt. Und auch ich war vielen fremd – auch in der eigenen Partei. Es dauert, bis man sich gegenseitig kennenlernt. Vertrauen fasst. Diese Zeit muss man sich nehmen. Nach dem Kennenlernen wurde ich von meiner Partei, der SPÖ, als „eine der ihren“ akzeptiert.

Integration braucht Mut und Respekt

Meine eigenen Erfahrungen sagen mir, dass In-tegration immer ein sehr individueller Vorgang ist. Notwendig sind unsere gemeinsamen, aller-menschlichsten Tugenden: Mut, Neugier, gegen-seitige Achtsamkeit und Respekt sowie der Wille, gemeinsam das Zusammenleben zu gestalten. Die Vielfalt unserer Gesellschaft ist nichts Neues. Unser Land war immer schon ein Einwanderungs-land – so wie es auch ein Auswanderungsland ist. Migration ist eine historische Tatsache und eine aktuelle Realität. Wir ÖsterreicherInnen sind eine besonders „feine Mischung“, wie STS in ihrem Lied „I bin aus Österreich“ singen. In unseren in-dividuellen Biographien haben wir alle Vorfahren aus vielen Teilen der Donaumonarchie und darü-ber hinaus. Chicago ist auch heute noch die größte burgenländische Stadt. All das ist weder gut noch schlecht, es ist einfach so. Integration ist dann gelungen, wenn der Migrationshintergrund dort ist, wo er hingehört: eben im Hintergrund. Auf gut steirisch: Wenn’s egal ist, wo jemand geboren ist oder woher die Vorfahren stammen. Oder: wenn einfach der einzelne Mensch in seiner Individuali-tät im Mittelpunkt steht. Mit all seinen Stärken und Schwächen. So, wie wir eben sind.

Bettina VollathIntegrationslandesrätin

D F

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S8

Angela Tröndle, Johannes Berauer, Phil Yaeger composition / cond. Siegmar Brecher, Patrick Dunst, Jan Balaz woodwinds Mario Stuhlhofer, Alfred Lang trumpets Bernhard Neumaier, Phil Yaeger trombones Michael Lagger piano Valentin Czihak bass Reinhold Schmölzer drums

Jazzwerkstatt Graz: Sarajevo calling

Mo, 14. noVeMBer 2011, 20:00 Uhr

Julian Argüelles saxofon Simon Mreach hand percussion

Ahmed Eid bassStefan Heckel accordion, piano

m aktuellen Projekt trifft das JWG Composers En-semble auf vier Meister der Sevdah-Musik, dem Soul und dem Blues der Bosnier: Vanja Muhovic�,

Vanja Radoja, Edo Krilic� und Davor Maraus. Die Kom-ponistInnen Angela Tröndle, Johannnes Berauer und Phil Yaeger haben für diese Begegnung eine Auswahl an Sevdah-Liedern speziell für das 10-köpfige Ensem-ble und die bosnischen Gäste bearbeitet. Dabei wer-den die traditionellen Melodien in neue harmonische Gewänder gekleidet, mit Grooves, Ostinati und Bläser-arrangements angereichert und von den hervorragen-den Solisten der JWG improvisatorisch umrahmt. Die bosnische Sängerin Nataša Mirkovic�–De Ro glänzt mit ihrem reichen Erfahrungsschatz in vielen musikali-schen Welten als großartige Interpretin ihres traditio-nellen Liedguts in ungewohnter Umgebung.

I

featuring:Nataša Mirkovic-De Ro vocals Vanja Muhovic bosnian saz Vanja Radoja violin Davor Maraus percussion Edo Krilic accordion

Vanja Muhovic

Page 9: Austrian Soundcheck 2011

S9

n den Monaten vor dem Ausbruch der Arabi-schen Revolution verbrachte der Grazer Pianist und Akkordeonist Stefan Heckel einen Studien-

aufenthalt in Syrien. Er bereiste die Wüste und die Berge zwischen Damaskus und Jerusalem und traf in der ostsyrischen Wüstenstadt Palmyra auf die Geschichte der sagenumwobenen Königin Zenobia. Einst leistete Zenobia den Römern Widerstand und eroberte mit ihren Truppen Ägypten. Letztendlich jedoch wurde sie besiegt und als Sklavin nach Rom gebracht.

Inspiriert von der kargen Landschaft der syrischen Wüste entstand „Queen Zenobia“, eine suggestive Melange aus arabischen Traditionals und eigenen Kompositionen, die Stefan Heckel mit bekannten musikalischen Weggefährten – Simon Mreach aus Damaskus, Ahmed Eid aus Ramallah im Westjord-anland und Julian Argüelles aus England – gestaltet.

s war Liebe auf den ersten Takt. Als sich der polnische Akkordeonist Krzysztof Dob-rek und der russische Violinist Aliosha Biz

bei den Proben zu „Anatevka“ im Theater an der Wien das erste Mal trafen, schien klar, dass der folgende künstlerische Weg ein gemeinsamer sein würde. Um die Jahrtausendwende war Dobrek Bis-tro aus der Taufe gehoben, das der brasilianische Multiperkussionist Luis Ribeiro und der Wiener Jazzkontabassist Sascha Lackner, das neueste Bandmitglied, zu einem unkonventionellen Quar-tett komplettierten. Die Bezeichnung des franzö-sischen Lokals kommt vom russischen „bystro“ (schnell). Das Quartett bezieht sich mit seinem Na-men also sowohl auf die virtuose Rasanz ihrer Dar-bietungen als auf die melancholische Eleganz, die Dobrek, der für alle Kompositionen verantwortlich zeichnet, beim Pariser Musette-Walzer so liebt.

I

E

ExTRA

Julian Argüelles saxofon Simon Mreach hand percussion

Ahmed Eid bassStefan Heckel accordion, piano

Krzysztof Dobrek accordion Aliosha Biz violin

Sascha Lackner double bass Luis Ribeiro percussion

Stefan Heckel & Queen Zenobia

Dobrek Bistro

DI, 15. noVeMBer 2011, 19:30 Uhr

Stefan Heckel

Page 10: Austrian Soundcheck 2011

Fr, 18. noVeMBer 2011, 19:30 Uhr

Raphael Meinhart vibes Stefan Padinger bass Jörg Haberl drums

Bernie Mallinger violin Igmar Jenner violin Cynthia Liao viola Asja Valcic cello

Primus Sitter guitar Richie Klammer trumpet, voice Stefan Gfrerrer double bass

Raphael Meinhart Trio

Radio String Quartet: Zawinul Report

The TallTones

S10

Erdige Marimbaklänge, spacige Vibraphonsounds und ein engelhaftes Glockenspiel liefern tanzbare Grooves und Balsam für die Ohren. Raphael Meinhart erzählt die Geschichte der Malletinstrumente auf seine ganz eigene Art und Weise, weder chronologisch noch korrekt, dafür mit Herz, Seele und Witz. Im Team mit seinen kongenialen Mitstreitern Jörg Haberl am Schlagzeug und Stefan Padinger am Bass sorgt er dafür, dass das Publikum nach dem Konzert genauso verrückt nach Vibraphonen und Marimbaphonen ist wie er.

„Zawinul Report“ ist eine Huldigung an den wohl einflussreichsten eu-ropäischen Jazzmusiker, dessen 80. Geburtstag 2012 begangen wird. „In A Silent Way“, die unsterbliche Ballade, die Zawinul für Miles Davis schrieb, gehört bereits zum festen Repertoire der Wiener Formation. Hinzu kommen nun vor allem Stücke aus der Ära von „Weather Re-port“, der stilprägenden Supergroup des Jazz-Rock („Birdland“).

„from the wilder part“Wenn sich die TallTones mit Kurt Weill, Jimi Hendrix und Tom Waits ans Lagerfeuer setzen, flattern die Sombre-ros im Rhythmus der sich im Wüstenwind wiegenden Kakteen … Seit 2006 begeistern die TallTones mit Musik zwischen Pop und Jazz und schrecken auch vor volksmu-sikalischen Einflüssen nicht zurück. Standards, die noch keine sind, werden zu solchen erhoben und kurzerhand vertalltont. Let‘s say: rough with love.

Page 11: Austrian Soundcheck 2011

S11

eit den 1980er-Jahren ist Elliott Sharp ei-ner der wichtigsten Akteure der New Yorker Downtown Szene und damit ein Protagonist

einer der bedeutsamsten musikalischen Rich-tungen Amerikas des letzten Jahrhunderts. Die-se wurde nicht nur durch KomponistInnen wie La Monte Young, Steve Reich, Pauline Oliveros und natürlich John Cage geprägt, sondern auch durch eine jüngere Generation um John Zorn. Was diesen so unterschiedlichen MusikerInnen und Konzepti-onistInnen gemeinsam ist, sind die musikalischen Wurzeln (auch) außerhalb der europäischen klas-sischen Musik, eine große Offenheit nicht deter-minierenden und improvisatorischen Ansätzen gegenüber und oftmals auch eine Integration der sich parallel dazu entwickelnden alternativen For-men von Jazz-, Rock und Punkmusik. Ein künst-lerisches Konzept, das dem Zugang des 2005 von Daniel Riegler gegründeten Ensembles sehr nahe steht. Das Projekt präsentiert verschiedene Ar-beiten Sharps aus den letzten Jahren und ein Auf-tragswerk („In the Pelagic Zone“) für das Ensemble Studio Dan.

S

So, 20. noVeMBer 2011, 20:00 Uhr

Elliott Sharp 8-saitige Bassgitarre, Sopransaxophon, Leitung

Studio Dan:Martina Engel, Simon Frick Violine

Julia Purgina Viola Cornelia Burghardt Violoncello

Bernd Satzinger Kontrabass Maria Augustin Flöte

Clemens Salesny Klarinette, Saxophon Martin Eberle Trompete, Flügelhorn

Philip Yaeger Posaune Peter Rom Gitarre

Clemens Wenger Klavier, Synthesizer Raphael Meinhart Perkussion

Leo Riegler Elektronik, Turntables Wolfgang Kendl Schlagzeug

Daniel Riegler Posaune, Leitung Werner Angerer Tontechnik

Elliott Sharp In the Pelagic Zone (2011)(Auftragswerk von Studio Dan mit freundlicher

Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung) u. a.

Elliott Sharp & Studio Dan

ExTRA

In the Pelagic Zone – Elliott Sharp 60th Birthday Project

Page 12: Austrian Soundcheck 2011

Programmvorschau der Grazer Spielstätten

MI, 7. DeZeMBer, 20:00 Uhr STERmANN & GRISSEmANN | stermann

DI, 6. DeZeMBer, 20:00 Uhr DIE DORNROSEN | Knecht ruprechts töchter

So, 4. DeZeMBer, 19:30 Uhr VIKTOR GERNOT & HIS bEST FRIENDS | silent night 2011

Do, 1. DeZeMBer, 20:00 Uhr GERNOT KULIS | Kulisionen

Fr, 20. Jänner, 19:30 Uhr NIGHT OF PERCUSSION | gamsbart

Sa, 10. DeZeMBer, 20:00 Uhr PURPLE AND THE GHOSTbUSTERS

Partner:

Mo, 12. DeZeMBer, 20:00 Uhr ROLAND DüRINGER | iCH einleben

Sa, 21. Jänner, 15:00 Uhr PICCOLO: REISE NACH bRASILIEN

MI, 14. DeZeMBer, 20:00 Uhr EVA mAROLD UND GREGOR SEEbERG

MI, 25. Jänner, 20:00 Uhr HUbERT VON GOISERN | entwederundoder tour 2012

Fr, 16. DeZeMBer, 15:00 Uhr PICCOLO: ROCKy ROCCOCODo, 12. Jänner, 20:00 Uhr mIKE SUPANCIC | traumschiff supancic

weitere Veranstaltungen Finden sie unter www.spielstaetten.atKarten: 0316 / 8008 – 9000 | [email protected]

Das team der Grazer Spielstätten:Christoph thoma | Geschäftsführung, künstlerische LeitungMichael tassis | Prokura, Marketingheide Spitzer | Sekretariat, Assistenz der GeschäftsführungUrsula Fehle, Michael Jabbour | BetriebsbüroSascha Sperdin (karenziert), eduard Mandl | KartenverkaufClaudia Pucher, Peter Matscheko | VertriebMichael Doubek | Technische LeitungKurt Schulz, Martin Schachner | Tontechnikheribert Janzsa | Haustechnikrolf Schreiber, Maximilian Mahler | LichttechnikMichael Seinitz, Gerhard Siegert | Bühnentechnikraphael hammer | Lehrling

Impressum:Herausgeber: Grazer Spielstätten Orpheum, Dom im Berg und Schloßbergbühne Kasematten GmbH, Orpheumgasse 8, 8020 Graz Für den Inhalt verantwortlich: Christoph Thoma Redaktion: Albert Seitlinger Credits: Jazzwerkstatt Graz (Peter G Palme), Raphael Meinhart Trio (Johannes Gellner), Stefan Heckel (Christoph Pepe Auer), The TallTones (Günter Jagoutz), Sebastian Kurz (BMI/Alexander Tuma), Astrid Kury (Sissi Furgler), Christoph Thoma (Michael Thurm), Studio Dan (Ditz Fejer), Elliott Sharp (company of heaven) Grafische Gestaltung: onomato gestaltungsgesellschaft Änderungen vorbehalten / Redaktionsschluss: 13.10.2011

Fr, 9. DeZeMBer, 20:00 Uhr bARbARA bALLDINI | Heart Core – seXtra lustig

Do, 26. Jänner, 20:00 Uhr mNOZIL bRASS | blofeldDI, 7. FeBrUar, 20:00 Uhr REbEKKA bAKKEN

MI, 7. DeZeMBer, 19:30 Uhr mUSIC ACT | veranstaltet von Verein mondobyondoExTRA

MI, 18. Jänner, 19:30 Uhr mUSIC ACT | veranstaltet von Verein mondobyondoExTRA

Do, 26. Jänner, 14:30 & 16:00 CINELLO: EISbLUmEExTRA

h a u p t s p o n s o r d e r g r a z e r s p i e l s t ä t t e n